2013 Portugal

2013 Portugal

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Lissabon, Blick auf Castelo de São Jorge


Vier Wochen Rundreise durch Portugal liegen vor uns. Fritz‘ 16-jähriger Sohn Moritz begleitet uns mit seinem Einzelrad auf unserer zweiten Tandemreise. Unsere gut verpackten Räder fliegen mit uns nach Lissabon. Von dort fahren wir Richtung Süden an die Algarve und weiter bis zur Spanischen Grenze. Entlang der Grenze geht es wieder nach Norden bis nach Guarda. Am Duoro entlang fahren wir westwärts nach Porto und dann an der Atlantikküste mit einem Abstecher nach Coimbra zurück nach Lissabon.

Lissabon / Elevador de Santa Justa

Lissabon / Elevador de Santa Justa

Wir übernachten in einem Hostel mitten im Stadtzentrum. Sightseeing mit dem Rad kannst du in Lissabon vergessen. Denn die Straßen sind hügelig und ziemlich eng. Für Räder bleibt neben den rumpelnden Straßenbahnen kaum Platz. Tagsüber versprüht die Stadt einen etwas morbiden Charme. Viele der alten Gebäude hätten eine Renovierung bitter nötig. Abends, nach Einbruch der Dunkelheit fühlst du dich wie auf einer einzigen Partymeile. Grandios!

Costa da Galé, south of  Setúbal

Costa da Galé, south of Setúbal

Um auf die Küstenstraße Richtung Süden zu gelangen, setzen wir in Lissabon mit der Fähre über den Tejo. Später, in Sétubal werden wir noch einmal die Fähre nehmen. Danach radeln wir entlang der Küste nach Süden. Den Campingplatz zu finden gestaltet sich in der Dämmerung als nicht so einfach. Dafür werden wir am folgenden Morgen mit diesem tollen Ausblick belohnt. Mittags halten wir an einem sehr einfach aussehenden Straßenrestaurant. Die Großmutter kocht ein butterzartes Kaninchen in Sahnesauce, während die Enkelin den Service übernimmt. Papa steht derweil am Grill. Wir sind die einzigen Touristen. Die Portugiesen am Nachbartisch lassen sich in der Mittagshitze bereits reichlich Rotwein schmecken, bevor sie sich unbekümmert wieder hinters Lenkrad klemmen. Vorsicht ist geboten!

Auf dem Weg zu Portugals Südspitze

Auf dem Weg zu Portugals Südspitze

Die Straße zur Südspitze des Landes führt einige Kilometer abseits der Küste durchs Hinterland. Wer die Küste sehen will, muss hier eine der zahlreichen Stichstraßen zum Meer nehmen. An der Praja do Amado machen wir für ein kurzes Bad im Ozean einen kleinen Stopp. Hier fanden die letzten Surf-Weltmeisterschaften statt. Natürlich nicht im Sommer, die Wellen sind für Surfer in dieser Jahreszeit lächerlich klein.

Cabo de São VicenteCabo de São Vicente

Cabo de São Vicente

Das Kap São Vicente (2 Bilder) befindet sich im äußersten Südwesten Portugals und ist damit der südwestlichste Punkt Europas. Aus Sagres kommend führt eine Sackgasse an diesen Ort. Der Umweg lohnt sich. Eine malerische Strecke schlängelt sich zu diesem Leuchtturm. Obwohl die See ruhig ist, brechen die Wellen lautstark an die Klippen unter unseren Füßen. Einige verstreut liegende Segler ankern in kleinen Buchten. „Letzte Bratwurst vor Amerika“ prangt es in deutschen Lettern von einer Imbissbude am Parkplatz. Wir verschmähen die deutsche Bratwurst in Portugal und machen uns auf den Weg durch die beliebteste Touristenregion Portugals, die Algarve. Wir sind allerdings nicht so beeindruckt von dieser Gegend. Vielleicht liegt es daran, dass wir keinen Zugang zu den spektakulären roten Klippen haben, die man aus Reiseprospekten kennt. Denn die Straße führt abseits der Küste ostwärts. Auch hier müssten wir wohl wieder die Stichstraßen zur Küste nehmen, um die Klippen zu bewundern. Vermutlich aber würden wir dann lediglich in die mit Hotels zugepflasterten Touristenzentren geleitet. Nein danke.

Durch das Alentejo auf der IC 27

Durch das Alentejo auf der IC 27

Von Villa Real direkt an der spanischen Grenze führt die Schnellstraße IC 27 nordwärts ins Alentejo. Ab jetzt lernen wir die wahre Hitze des portugiesichen Sommers kennen. Die Straße führt schnurgerade über jeden sich bietenden Hügel. Wann immer eine der seltenen Brücken auftaucht, nutzen wir die Gelegenheit, um für ein paar Minuten der gleißenden Sonne zu entfliehen. Wenige Kilometer weiter wechseln wir auf eine Nebenstraße, die zwar nicht kühler, dafür aber ruhiger ist. Wir übernachten in Alcoutim, einem kleinen Dorf direkt an der Grenze. Von hier kann man über den Grenzfluß Guadiana nach Sanlucar auf der spanischen Seite schauen. Das Örtchen an einem kleinen Berg wird von einer trutzigen Burgruine auf der Bergspitze bewacht. Wir dürfen unsere Zelte kostenlos in einer kleinen Freizeitanlage aufschlagen. Wenn es auch nur kalte Außenduschen gibt, so haben wir immerhin einen gepflegten Rasen zur Verfügung, ein Luxus, den mann in diesen Breitengraden nicht oft findet. Die weitere Fahrt durch die Sierra de Mértola wird eine Tortur. 45° und ein stetiges Auf und Ab der Straße. Das Wasser in unseren Trinkflaschen wäre für eine heiße Dusche ideal, so daß wir gelegentlich anhalten, um uns an einer Tankstelle oder Kiosk eine eiskalte 7Up oder Cola zu gönnen. Diese steppenartige hügelige Landschaft mit verstreuten Korkeichen läßt mich von Reiterferien träumen. Zwar genauso heiß, aber weit weniger anstrengend als mit dem Rad.

Wild campen in der Nähe von MonsantoWild campen in der Nähe von Monsanto

Wild campen in der Nähe von Monsanto

Uns war gesagt worden, dass sich die Nebenstraßen nicht zum Radfahren eignen, was wir jedoch nicht bestätigen können. Die Straßen auf unserer Reise sind meist gut zu fahren. In Portalegre lässt uns ein freundlicher Portugiese in seinem Vorgarten zelten, da es hier keinen Campingplatz gibt. Am nächsten Morgen geleitet er uns mit seinem Auto sogar bis zur Straße, damit wir auch den richtigen Weg finden. Die Abfahrt ins Tejo-Tal ist Genußradeln pur. Erträgliche Temperaturen und malerische Landschaft machen das Radeln wieder zur Freude. Diese Nacht campen wir neben unserem persönlichen Miniatur-Ayers Rock (2 Bilder). Wild romantischer Platz. Geduscht wir mit Wasser aus den Trinkflaschen.

Mértola am Rio Guadiana

Mértola am Rio Guadiana

Der tiefblaue Himmel formt einen schönen Kontrast zu den weiß gekälkten Häusern des Dorfes. Dieses Postkartenwetter bringt allerdings auch wieder die Hitze mit, was das Radfahren erneut beschwerlich macht. An einem See hoffen wir auf eine kleine Erfrischung, doch das Wasser ist lauwarm. Wir fühlen uns, als seien wir in eine riesige Badewanne gestiegen. Ein netter Einheimischer schenkt uns einen 5-Liter Kanister Wasser. Er hat den Nordrhein-Westfalen-Wimpel an unserem Hänger erkannt. Die meisten Menschen halten uns für ein bißchen verrückt, in der Mittaghitze unterwegs zu sein, während jeder, der noch einen Rest an Verstand besitzt, im Haus hinter verschlossenen Fensterläden Abkühlung sucht.

Landleben

Landleben

Wer durch Portugal reist, sollte über eine gute Straßenkarte oder Navigationssystem verfügen, denn die Straßenschilder sind nicht wirklich zuverlässig. Du folgst ihnen, um dann an der nächsten Kreuzung zu entdecken, dass der Weg zu deinem Ziel genau in die entgegengesetzte Richtung führt. Viele Städte liegen oben auf einem Berg. Ein herausragendes Beispiel dafür ist Guarda im Norden. Mit 1.056 Metern über N.N. ist sie die höchste Stadt in Portugal. Über Kopfsteinpflaster mit zweistelligen Steigungen quälen wir uns ins Stadtzentrum. Doch es lohnt sich. Die mächtige Kathedrale erinnert eher an eine Festung denn an eine Kirche. Dagegen kann man getrost auf einen Besuch des mitten in der Stadt liegenden Campingplatzes verzichten. Kalte, schimmelige Duschen, blanke Erde zum Campen und laute Umgebung.

Mittagspause in den Weinbergen

Mittagspause in den Weinbergen

Hinter Guarda fahren wir noch eine kurze Strecke weiter Richtung Norden um dann nach Westen Richtung São João da Pesqueira abzubiegen. Von dort aus folgen wir dem Duoro bis nach Porto. Wir fahren buchstäblich auf dem Bergkamm. Rechter Hand unter uns liegt das Duoro-Tal, während sich links von uns der Rio Torto durch die Landschaft schlängelt. Was für eine Landschaft! Das Angebot an Campingplätzen variiert in Portugal sehr stark. Während wir in São João da Pesqueira auf einen brandneuen Campingplatz treffen, müssen wir die nächste Nacht unser Zelt neben einem öffentlichen Schwimmbad aufschlagen. Das Personal ist dagegen sehr zuvorkommend. Wir dürfen ohne Eintritt deren Duschen benutzen.

Wein und Oliven am Duoro

Wein und Oliven am Duoro

Der Ausblick hoch oben über dem Duoro ist spektakulär. Wir genießen die lange Talabfahrt hinunter zum Fluß. Nur ab und zu halten wir für ein schnelles Foto an, um dann die Räder wieder rollen zu lassen. Olivenplantagen und Weinberge soweit das Auge reicht. Allerdings wieder kein Campingplatz in Sicht. An einem kleinen Yachthafen entdecken wir ein paar Zelte von Jugendlichen und fragen, ob wir uns dazugesellen dürfen. Obwohl es sich um Privatgrund handelt, lässt uns der freundliche Hafenverwalter dort campen. Und eine brandneue heiße Dusche gehört zum Service noch dazu. Im örlichen Tante-Emma-Laden kaufen wir Wein, Brot und Käse und lassen einen grandiosen Radtag noch einmal Revue passieren.

PortoPorto

Porto

Wer nach Portugal reist, sollte Porto nicht verpassen. Obwohl die recht hügelige Stadt das Sightseeing etwas mühsam macht, es lohnt sich wirklich. Am Flußufer reihen sich die Portwein-Kellerein aneinander, die die Touristen zu Verkostungen einladen. Die historischen Boote mit den alten Fässern auf dem Duoro weisen ebenfalls auf die Tradition hin. Es fällt nicht leicht, diesem Angebot zu widerstehen, aber so früh am Tag und bei dieser Hitze wäre Alkohol nicht zielführend. Damit warten wir lieber, bis die Sonne untergegangen ist. Wasser kann man im übrigen bedenkenlos aus den zahlreichen, am Wegesrand liegenden Brunnen trinken. Auf unserem Weg nach Coimbra kommen wir an einem besonders schmucken Exemplar vorbei (s. Bild 2), verziert mit den typischen blauen portugiesischen Azulejos. Steinbänke auf beiden Seiten des Brunnens laden den Reisenden zum Verweilen ein.

Azenhas do Mar

Azenhas do Mar

Hinter Coimbra fahren wir zurück an die Küste. Die Straße führt uns jedoch nicht direkt am Meer entlang, sondern durch ausgedehnte Pinienwälder. So entscheiden wir uns, dem Pilgerort Fátima noch einen Besuch abzustatten. Direkt hinter der Wallfahrtskirche befindet sich ein Zeltplatz für die Besucher des Ortes. Es ist kein richtiger Campingplatz, aber es gibt (kalte) Duschen und Toiletten. Und das alles kostenlos. Und dann werden wir noch mit Chorälen aus der Kirche in den Schlaf gesungen. Zurück an der Küste radeln wir nach Nazaré. Wer nicht gerade Surfer ist (Nazaré ist ein berühmter Surfer-Ort), sollte einen Bogen um diese von Touristen überschwemmte Stadt machen. Weiter südlich bewundern wir die Klippen der Halbinsel Peniche. In Azenhas do Mar soll es einen Campingplatz geben, aber wir erfahren in einer Sushi-Bar, dass er seit einigen Jahren geschlossen ist. Die freundlichen Jungs empfehlen, uns einfach mit den Schlafsäcken an den Strand zu legen. Gesagt getan. Unter freiem Sternenhimmel lauschen wir dem Meeresrauschen.

Sintra, MaurenkastellSintra, Maurenkastell

Sintra, Maurenkastell

Wohl kaum ein Portugal-Besucher kommt nicht nach Sintra, in der Nähe von Lissabon. Und so wollen auch wir dieses Touristenhighlight nicht verpassen. Aber, wie üblich, Schlösser und Burgen befinden sich meist ganz oben auf dem Berg. Heute entscheiden wir, zunächst unser Gepäck auf dem Campingplatz in Cascais zu deponieren und anschließend hinaufzuradeln. Ich hatte gehofft, wir würden einen der Shuttle-Busse nehmen, was jedoch den Männern gegen die Radfahrerehre geht. Ohne Gepäck ist es zwar leichter, aber immer noch ermüdend. Wir beginnen die Besichtigungen am Convento dos Capuchos, einem Kapuzinerkloster aus dem Jahr 1560. Die Gebäude sind buchstäblich in die Felsen gehauen. Der Komplex ist mit Bäumen überwuchert, was dem ganzen einen fast mystischen Anstrich gibt. Sollte man nicht verpassen. Palácio Nacional da Pena, auch als Neuschwanstein Portugals bezeichnet, ist eine Mischung aus Kitsch und Kunst. Viele Baustile scheinen hier planlos miteinander verbunden zu sein. Weiter unten in der Stadt beobachten wir einige Einheimische beim Nachmiitags-Tango unter Pinien. Der Platz liegt mitten im Ort neben dem Nationalpalast. Zu guter Letzt besuchen wir noch das Maurenkastell, Castelo dos Mouros. Wenn man die Treppen bis ganz hinauf steigt, eröffnet sich ein grandioser Rundumblick in die Landschaft.

Lissabon / Tejo-Brücke

Lissabon / Tejo-Brücke

An der Küste entlang radeln wir zurück nach Lissabon. Das Verpackungsmaterial für die Räder und den Hänger durften wir im Hostel deponieren. Unser letzter Abend dieser teilweise sehr anstrendenden Reise durch sengendheiße Tage bricht an. Am Praca do Comércio wird nach Einbruch der Dunkelheit eine Lightshow über die Geschichte Lissabons gezeigt. Krönender Abschluß einer faszinierenden Reise.

Unsere Reiseroute

Unsere Reiseroute


28 Tage sind wir zu dritt durch Portugal gefahren. Ein Tandem mit Hänger, sowie ein Einzelrad. Wir haben 2.190 km und 18.340 Höhenmeter absolviert. Im Durchschnitt waren das ca. 78 km am Tag. In Portugal gibt es keine hohen Berge zu überwinden. Allerdings sind die schnurgeraden Straßen, die stetig bergauf und bergab verlaufen, mitunter anstrengender als ein Pass. Das gilt insbesondere für das Alentejo im Süden. Da wir an die deutschen Schulferien gebunden waren, mussten wir im Juli/August reisen. Wer wählen kann, sollte sich vielleicht eine weniger heiße Zeit aussuchen. Im Rückblick haben wir den Norden als reizvoller empfunden. Die Algarve ist vermutlich deshalb so beliebt bei Besuchern, weil sie Strände und spektakuläre Klippen bietet, was dem Badeurlauber entgegenkommt. Der Norden hingegen weist mit grandiosen Landschaften im Landesinneren auf. Wir sind nur bis Porto gekommen, den äußersten Norden mussten wir auslassen. Vielleicht dürfen wir ihn auf einer erneuten Reise in diese Region entdecken.