2015 Korsika2015 Korsika

2015 Korsika

Unsere Route

  • Wenn du mit der Maus über die Fotos gehst, findest du manchmal ein zweites Foto.
  • Von Köln/Bon flogen wir mit Germanwings nach Bastia im Norden der Insel. Zum ersten Mal packten wir uns Rad in eine selbstgemachte Tasche aus LKW-Plane. Die Frage wie verpacke ich ein Rad für einen Flug füllt viele Seite im in verschiedenen Internetforen (s.a. Artikel unter Ausrüstung). Wir fuhren gegen den Uhrzeigersinn zum Kap Korse, dann die Westküste entlang hinunter nach Süden zu Bonifacio. Hinter Porto Vecchio im Südosten verließen wir die Küste und radelten durch die Berge im Zentrum zurück nach Bastia. Die Ostküste soll nicht so attraktiv zum Radfahren sein, da sie voll mit Ferienanlage ist die alle über die Hauptstraße miteinander verbunden sind. So hat man sehr viel Verkehr und weniger interessante Landschaften. Es war unsere erste Reise mit dem Santana Fusion, einem MTB Tandem mit 26“-Rädern und breiteren Reifen. Und wir waren jetzt stolze Besitzer eines gefederten Hängers dem Bob Ibex. Ein Traum! Der Hänger folgte dem Rad so geschmeidigt über jede Unebenheit, dass man es kaum fühlte, wenn du sein Gewicht außer acht läßt. 15 Tage mit durchschnittlich 67 km fuhren wir über 1.000 Kilometer auf dieser Reise. Die Insel ist sehr hügelig, so dass über über 14.350 Höhenmeter zusammenkamen. D.h. ca. 960 m pro Tag. Die Steiungen waren zwischen 3% to 16% (s.a. Bild 2 Höhenprofil).

  • Blick über den Golf von St-FlorentBlick über den Golf von St-Florent

    Blick über den Golf von St-Florent

    Korsika – Île de la Beauté – die schönste Insel. Ob dies wahr ist, wollten wir in zwei Wochen im Mai 2015 herausfinden. Der Flughafen Bastia ist klein und einfach. Ohne Eile konnten wir unsere Sachen zusammenbauen. Unser Verpackungsmaterial deponierten wir auf dem Campingplatz San Damiano im Süden Bastias für die Dauer unserer Reise. In der Vorsaison sollten viele Campingplätze noch geschlossen sein. Wildcampen ist auf Korsika streng verboten und wenn es erlaubt sein sollte, erschien es teilweise fast unmöglich einen geeigneten Platz für das Zelt zu finden. Dichte Macchia schien jedes freie Fleckchen auf der Insel zu bedecken. Für die zweite Nacht bekamen wir das Angebot eines Barbesitzers in einem aufgegebenen Gartengrundstück neben einer kleinen, baufälligen Kapelle zu campieren. Es war nicht luxuriös, der Blick dafür spektakulär (Bild 2). Und wir hatten frisches Wasser für eine kalte Dusche. Was will man mehr?


    NonzaNonza

    Nonza

    Die schneebedeckten Gipfel der zentrale Bergmassive leuchten, während wir an der Küstenstraße bei angenehmen Temperaturen fahren. Jeden Augenblick haben wir spektakuläre Ausblicke am Meer. Die Städtchen und Dörfer sind im Gegensatz nicht so pittoresk. Nonza, im Norden, ist eine Ausnahme, aber der Preis ist die Anzahl der Touristen dort. Das Panorama unten zeigt den Blick vom Col de Palmarella hinunter in die Bucht von Porto. Um die Stadt zu erreichen müssen wir einige Meter klettern. Dafür haben wir eine schnelle Abfahren entlang der Felsen hinunter nach Porto.



    Die CalanchesDie Calanches

    Die Calanches

    Im Süden von Porto passieren wir die Calanches. Die roten Granitfelsen bilden hier die Küste. Unglücklicherweise kommen wir mittags vorbei. Im Schein der untergehenden Sonne sollen sie tiefrot leuchten. Am Abend zuvor machten wir eine kleine Tour hinauf ins Hinterland nach Evisa. Die Straßen mänderte entlang der Felsen durch einen engen Canyon. Kleine Dörfer wie Ota scheinen an den Felsen zu kleben. Alle Straßennutzer sollten auf freilaufende Schweine achten auf der Straße achten. (Bild 2). Sie scheinen sich nicht um den Verkehr zu kümmern. Es wurde uns berichtet, dass die niedlichen Tierchen den einen oder anderen Radunfall erzeugt haben.


    Sartène, Bergdorf im SüdenSartène, Bergdorf im Süden

    Sartène, Bergdorf im Süden

    In Ajaccio, eine Stadt die man nicht besuchen muss, nahmen wir die Fähre nach Porticcio. Ein kleine Abwechselung vom Radfahren, welche uns gut tat. Als wir die andere Seite der Bucht erreicht hatten, begann wieder die Kletterei durch die Berge. An diesem Teil lagen überall verstreut Häuser. Überall machten sich die Leute auf ins sonnige Wochenende. Am Traumstrand von Verghio genossen wir eine Pause. Später nahmen wir einen Expresso Xavier’s Bar in Aqua Doria ein. Der Barbesitzer schaute aus wie eine vergessener Harley Rocker. Aber er ist ein schlauer Geschäftsmann. Entlang der Straße passierten wir mindestens 10 Posters auf denen er seinen Pub auf spannende Weise promotete. Jedoch waren wir die einzigen Gäste. Am nächsten Tag erreichten mittags Sartène, eine ordentliches Bergstädtchen, die besonders bei Rennradlern populär erschien. Viele von ihnen nahmen ihr Mittag auf dem Marktplatz ein. Der weitere Weg nach Bonifacio war weniger aufregend. Einzig der „schlafende Löwe“ am Roccapina Pass ist sehenswert. Einer Legende zufolge ist dort ein Adliger aus Liebeskummer zu Stein erstarrt. Je mehr wir nach Süden kamen, desto flacher wurde die Landschaft. Einzig die Flußtäler, die wir kreuzten, brachten kurze Anstiege und Abfahrten mit sich.


    BonifacioBonifacio

    Bonifacio

    Bonifacio ist die südlichste Stadt von Korsika. Von dort ist es nur noch ein Steinwurf nach Sardinien. An dem milden Abend genossen wir einen Spaziergang durch den kleinen Hafen umgeben von hohen Felsen. Der Campingplatz liegt fast im Zentrum der Stadt, so das wir das Rad dort lassen konnten. Am nächsten Morgen ging es wieder nach Norden. Als wir Porto Vecchio passierten, verließen wir die Küste. Von jetzt an fuhren wir durch die Berge im Zentrum der Insel. Es war uns bewusst, dass es anstrengender würde, aber wir ziehen eine schöne Landschaft einer Fahrt auf der Nationalstraße von einem Ferienort zum nächsten vor. Nach Ospedale, einer Ortschaft in den Bergen, ging es konstant bergauf. Auch danach mussten wir weitere Anstiege bewältigen bevor wir ein Wandererherberge mitten im Wald erreichten. Dort teilten wir einen kleinen Raum mit 4 französischen Wanderern, welche anscheinend keinen Bedarf nach frischer Luft hatten. Die Fenster blieben während der Nacht fest verschlossen. Nach dem leckeren 3-Gänge-Menü, konnten wir dies einwenig entschuldigen. Aber frühermorgens flüchteten wir vor der stickigen Luft und machten einen Waldspaziergang. Wir konnten bis nach Sardinien schauen. Eine wundervolle Morgenstimmung mit einem überwältigenden Blick!


    Bergbäche und BuchenwälderBergbäche und Buchenwälder

    Bergbäche und Buchenwälder

    Immer wieder kreuzten wir Bergbäche mit großen Felsbrocken im Wasser. Der Weg führte durch die Berge durch durch die fabelhaften Ort Zonza und Aullène. Während eines Picknicks kühlten wir unsere Füße im kühlen Wasser, bevor wir weiter durch die schattige Buchenwälder fuhren. Später standen zahlreiche Schwarzkiefern neben der Straße. Während eines Stopps hob ich etwas Rinde auf, brach sie und stellte fest, sie riecht intensiv nach dunkler Schokolade. Seitdem waren es für mich die Schokoladenbäume. Der nächste Campingplatz war geschlossen, aber ein freundlicher Mann von der Tankstelle ließ uns auf einem Grundstück hinter dem Dorf campen. Es war kein exquisiter Platz. Denn es schaute mit einem Autowrack und herumliegendem dahinrottendem Holz mehr nach einem privaten Schrottplatz aus. Aber wir hatten frisches Wasser und konnten an der frischen Luft schlafen. Viel mehr brauchen wir nicht.


    Ghisoni

    Ghisoni

  • Während wir in einem Cafè in Ghisoni saßen, hielten wir ein Schwätzchen mit einer netten Dame aus dem Elsaß. Plötzlich sprang sie auf und floh ins Cafè. Ein mürrisch daher schauender Bull kam wütend brüllend um die Ecke. In unseren roten Trikots fühlten wir uns nicht besonders sicher, aber versuchten uns ruhig zu verhalten. Der Hund des Barbesitzers verscheute bellend den Bullen und kam dann friedlich zur Terasse zurück.
  • Der lokale Geschäft war geschlossen und der Campingplatz unterhalb des Dorfes. Glücklicherweise betrieb der Campingwirt gleichzeitig auch das Geschäft. Er fuhr mit mir kurz in seinem Auto zum Geschäft, wo wir alles für das Abendessen bekamen. Er erzählte mir, er sei auch der Chef Feuerwehr des Dorfes. Ich fragte ihn nicht, ob er auch der Bürgermeister sei.

  • Col de Sorba, CorteCol de Sorba, Corte

    Col de Sorba, Corte

  • Langsam fuhren wir zum Col de Sobra (1311m üNN)hinauf. Neben der Anstrengung, konnten wir den Duft der Eukalyptusbäume genießen und die Raubvögel im Auftrieb der Thermik bewundern. Den herunterkommenden Rennradlern ging es gut. Sie konnten sich auf ihrer Abfahrt entspannen. Aber wartet, bis wir auf der anderen Seite sind. Es war wieder eine fantastische Abfahrt. Um die Felgen nicht durch das Bremsen zu überhitzen, mussten wir häufiger anhalten und konnten nicht nur laufen lassen. Schließlich wollten nicht wie der alte LKW enden, dessen Bremsen möglicherweise zu heiß geworden waren.
  • In Corte fanden wir einen Camping direkt an der Stadt am Flussufer des Restonica. Unsere Nachbarn waren eine niederländische Familie. Natürlich priesen wir wieder das Tandemfahren an und Fritz machte eine Testfahrt mit ihnen. Jan ist Kardiologe und gab uns einer seiner fantastischen OP-Zangen, welche normalerweise nach Gebrauch weggeworfen werden. Diese kleine, leichte Werkzeug sollte uns gute Dienste auf unseren Reisen leisten. Falls unter unseren Lesern Ärzte sind, bitte werft Werkzeuge nicht weg. Andere können sie gebrauchen. Unser niederländischer Bekannter hatte einige dieser Zangen im Auto. Er gibt sie Fischern und anderen wie uns. Ein gute Idee! Bevor wir unsere Tour nach Bastia fortsetzten machten wir einen Abstecher ins Golotal zum See von Caluccia. Der See ist etwas enttäuschend, aber die Straße durch die enge Schlucht ist ein Höhepunkt.

  • Morosaglia, mächtige KorkeichenMorosaglia, mächtige Korkeichen

    Morosaglia, mächtige Korkeichen

  • In Ponte Leccia querten wir über eine alte genoveser Brücke den Golo und fuhren zur Ostküste. Wieder einmal ging es auf gewundenen Straßen hinauf in die Berge. Morosaglia ist ein gespentisches Dorf . Der Name kommt aus der Zeit, als Korsika von den Berbern besiedeltet wurde. Wir schauten auf viele scheinbar verlassene Steinhäuser. Manche Fenster schauten aus wie Einschusslöcher. Pasquale Paoli, „Vater der korsischen Nation“ kommt von hier. Der Anblick ist genial. Wir stellten uns eine Szene vor wie Paoli hier mit seinen Männern für die Unabhängigkeit Korsikas kämpfte. Aber wir müssen weiter fahren. Bis auf 1.000 m klettern wir, bevor wir nach Piedicroce hinunterrollen. Jetzt sind wir mitten in der Castanicia, dem Tal der Esskastanien. In früheren Zeiten wurden die Kastanien zur Mehl für Brote gemahlen. Sehr alte und mächtigen Kastanien wuchsen entlang des Weges. Ebenso sahen wir imposante, knorrige Korkeichen.
  • Stazzona scheint ein Dorf zu sein, in dem die Zeit vor langer Zeit stehen geblieben ist. Was für eine Location für einen Film. Später, unten am Strand fanden wir einen Platz zum campen in den Dünen. Ein deutsches Ehepaar schlug uns vor, unser Zelt neben ihrem Pickup-Camper zu stellen und ihre Außendusche zu nutzen. Als unser Kocher sich uns verweigerte, boten sie uns an unser Abendessen in ihrem kleinen Camper zu kochen. Die letzte Nacht auf Korsika wurde stürmisch mit Blitz und Donner. Übrigens das einzige Mal Regen auf dieser Reise!


  • Genoveser Turm am Cap Corse, Strand von VerghioGenoveser Turm am Cap Corse, Strand von Verghio

    Genoveser Turm am Cap Corse, Strand von Verghio

    La Corse – Île de la Beauté. Wir bestätigen dies ohne Einschränkungen. Auch wenn wir bei zahllosen Gelegenheiten hinter jeder Kurve hätte anhalten können, um wieder Fotos zu schiessen, haben wir dennoch viele Fotos gemacht. Als Ergebnis haben wir weniger Kilometer geschafft. Aber wir mussten die schönen Motive mit unseren Kameras einfangen. Korsika bietet für jeden etwas, der es liebt draußen zu sein. Wir lernten Kletterer, Wanderer und Touristen mit Wohnmobilen kennen. Alle fanden etwas für sich. Wir glauben, dass wir Reisezeit während der ersten Maihälfte gute gewählt haben. Die höchsten Bergspitzen waren in Schnee gehüllt, während unten angenehme Temperaturen herrschten und die Insel noch nicht mit Touristen überfüllt war. In der Hauptsaison muss es für Radfahrer auf den engen Straßen fürchterlich sein mit all den Wohnmobilen und Bussen. Wenn man damit leben kann, dass viele Campingplätze geschlossen sind und man für einen Platz Privatpersonen fragen muss, sollte man die Nebensaison wählen. Es gibt natürlich auch Hostels und Hotels auf der Insel. Und die Korsen? Sie sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit. Immer zu einem kleinem Schwätzchen bereit. Wir wollen definitiv eines Tages wiederkommen.