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2015 Rumänien2015 Rumänien

2015 Rumänien

Unsere Route, Höhenprofil (Bild. 2)

Fünf Wochen haben wir zur Erkundung des großen Landes eingeplant. Von Mitte Juni bis Ende August wollen wir durch Rumänien fahren. Mit Wizzair fliegen wir von Dortmund nach Timisoara im Westen. Von dort fahren wir nach Norden (Maramures, Karpaten, Bukovina) durch Moldawien zum Donaudelta, ein kurzes Stück durch die Walachei, im Norden an Bukarest vorbei, über die Karpaten nach Transsilvanien / Siebenbürgen und zurück nach Timisoara. Wizzair teilt in seinen Hinweisen für Gepäck mit, dass die Räder auszubauen sind und die maximale Länge eines Gepäckstücks 1,70 m (Ausbau der Vorderradgabel) nicht überschreiten sollte. Ob dies auch für Sportgepäck gilt, können wir nicht herausausfinden. An der Hotline geht niemand ans telefon. Mails sollten 30 Tage abgeschickt werden, bevor sie antworten. Wir hätten früher anfragen sollen. Am Flughafen Dortmund lernen wir ein Paar kennen, die ebenfalls ihre Räder nach Timisoara mitnehmen wollen, aber sie überhaupt nicht verpackt haben. Ihre Räder erreichen Rumänien ohne irgendwelche Beschädigungen. Wir hatten unserer Hänger und die Radtaschen in einen sogenannten Big Bag verpackt, die normalerweise für Baumaterialen benutzt werden. Diese Säcke sind sehr stark und billig (5-10 €). Nach unserer Ankunft am Airport Timisoara suchen wir uns ein Taxi mit genug Platz für das ganze Gepäck. Dann bringen wir alles in unser Hotelzimmer, kaufen ein paar Bier an der nahen Tankstelle und bauen alles in zwei Stunden wieder zusammen. Rumänien wir kommen!


Hengstparade im ApusengebirgeHengstparade im Apusengebirge

Hengstparade im Apusengebirge

Campingplätze sind noch rar in Rumänien. Trotzdem ist es nicht schwierig Plätze zum campen zu finden. Bauern lassen uns bereitwillig das Zelt auf ihrem Grund aufbauen. Wir bekommen überall frisches Wasser. Für die Reise hatten wir ein 10 l Wassersack gekauft zusammen mit einem Duschvorsatz (Ortlieb). Es ist leicht und hat ein kleines Packmaß. Mit einer Art Duschkopf können wir jeden Tag unsere Dusche nehmen. Die Straßen sind rauh und sehr oft geschottert. Unser Fusion Santanatandem und der gefederte Bob Ibex Hänger hatten den Test auf Eignung bereits auf Korsika im Frühjahr bestanden. Hier in Rumänien werden wir feststellen, dass sie richtig gut sind und uns nicht hängen lassen. In Poina Horea bietet uns ein Bauer einen Platz zum zelten auf seinem Grundstück an. Zwischen dem Haus und dem Plumpsklo machen wir es uns gemütlich (Bild 2).


Lebhafte DiskussionLebhafte Diskussion

Lebhafte Diskussion

Wir werden von einem Rennradler auf seiner Karbonrennmaschine verfolgt. Er ist auf einem 7-Tage-Trip mit seinem Freund unterwegs. Nach einer Stunde angestrengtem Treten, wie er sagte, holt er uns ein. Obwohl er kein Gepäck zu tragen hat (sein Freund trägt die Taschen für beide), sind wir oft schneller als er. Unser schweres Gespann wird durch das leichte Gefälle (0-2%) sehr schnell. Aber aufwärts bekommen wir die andere Seite des Gewichtes zu spüren. Der Mann auf dem Rennrad kommt näher. Wir haben eine kleine Unterhaltung und er läd uns ein ihn zu kontaktieren, wenn wir nach Suceava kommen. Ein netter Kerl. Wir werden bei ihm für eine Nacht schlafen. Später in einem kleinen Dorf schenkt uns ein Eisverkäufer zwei Eis. Und wir bekommen von jemand anderem 1 l Benzin umsonst, als wir nach einer Tankstelle fragten. Als wäre es nicht genug, werden wir auf ein Bier in seine Kneipe eingeladen. Wir haben dann bezahlt. Als wir nach der besten Route und einer Zeltmöglichkeit fragen, beginnt eine lebhafte Diskussion über den besten Weg. Wir verstehen nicht viel, aber es zu beobachten ist köstlich. Außerhalb des Orts campen wir bei einer netten Familie hinter ihrem Grundstück auf einer Wiese (Bild. 2). Die Bauersfrau versorgt uns noch mit heißer Suppe, frischer Milceh und Brot.


BarsanaBarsana

Barsana

Wir lassen die Maramures mit den typischen geschnitzten Holztoren hinter uns (Bild 2). Jetzt sind wir in der Bukovina, die Region im Norden des Landes. Hier findet man viele Klöster, von denen einige aufwendig restauriert sind. Wie das Frauenkloster Barsana. Nach unserem Geschmack ist es etwas zu sehr auf Tourismus fokussiert. Wir sind froh, dass wir ein anderes kennenlernen, welches sehr abseits liegt. Das kleine Konvent Rohita ist ein Ableger des berühmten Mutterklosters Rohia. Um dorthin zu gelangen, kämpfen wir uns 7 km über eine hügelige Schotterpiste mit großen Flusskieseln. Wie zur Belohnung lernen wir eine deutschsprechende Frau dort kennen, die uns die Historie des Klosters erläutert und auf ein Mittagessen im Refektorium einlädt. Die schöne Holzkirche von Plopis (Weltkulturerbe) liegt auf unserer weiteren Route. Wir dürfen auf einer Obstwiese mit exklusivem Blick auf die Kirche dort zelten.


Kloster VoronetKloster Voronet

Kloster Voronet

Die Entscheidung ob Sightseeing oder nicht machten wir öfter abhängig von den Straßenverhältnissen. Deshalb haben wir die eine oder andere touristische Attraktion links liegen lassen, wenn uns der Weg zu steil oder schlecht erschien. Die Straßen im Norden waren in vielen Fällen sehr schlecht. Die schlagloch gespickte Abfahrt vom Prisloppass war nicht spassig. Wir waren froh, dass die Straße zum Kloster Voronet gut war. Der Besuch ist ein Muss. Die Kirche ist das einzige stehengebliebend Gebäude des Kloster. Sie wird die Sixtinische Kapelle des Ostens genannt aufgrund der zahlreichen Fresken auf den Innen- und Aussenwänden. In Suceava trafen wir uns mit dem Radfahrer Florin wieder. Als seine Gäste für eine Nacht, lud er uns zum Essen ein und zeigte uns seine Stadt. Unser Gepäck mussten wir dazu vorher in den 5. Stock schleppen (Bild 2).


Sandweg

Sandweg

Auf unserem Weg ins Donaudelta kamen wir durch die Städte Galati und Tulcea. Beide wären wir lieber umgangen. In Tulcea muss man eine Fähre ins Delta am Schwarzen Meer nehmen. Es gibt keine Straßen hinein. Es wird gesagt, dass Delta sei ein Paradies für Ornithologen. Wenn du ein Boot nimmst, kannst du in den zahlreichen Seitenarme und Kanäle sehr viele Vogelarten beobachten. Wir waren etwas enttäuscht, was wir in Sulina, der Stadt am Meer, erlebten. Das Hauptgeschäft hier ist das Abrippen von Touristen. Am nächsten Tag fuhren wir nach Süden auf einem schlechten Weg, um dann eine Fähre wieder hinaus aus dem Delta zu nehmen. Da wir nicht wieder zurück ins schreckliche Tulcea wollten, schnitten wir den Weg ab und fuhren über eine endlose Sandpiste durch eine wüstenhafte Gegend. Die Szenerie erninnerte uns an Ennio Morricone’s Film „Spiel mir das Lied vom Tod“. Fazinierend. Noch dazu verlor unser GPS die Orientierung. Zurück in der Zivilisation fanden wir ein Campplatz im Maisfeld. Wiesen waren nicht zu finden. So nahmen wir, was wir bekommen konnten.


Klosterkirche Curtega des ArgesKlosterkirche Curtega des Arges

Klosterkirche Curtega des Arges

Wir fuhren weiter Richtung Transfaragasanpass durch die Walachei im Norden von Bukarest. Landwirtschaft in XXL. Mais- und Sonnenblumenfelder bis zum Horizont. Der Landstrich ist nicht sehr aufregend. Auf dem Campingplatz waren wir die einzigen Gäste. Abgesehen von der Hochzeit im Restaurant des Platzes. Die Folter ging bis morgens um fünf Uhr mit ohrenbetäubender schrecklicher rumänisch-verpopter Musik. Unsere Verfassung am nächsten Tag war entsprechend geschwächt. In Curtega des Arges, die letzte größere Stadt vor dem Pass, ist buchstäblich vollgepackt mit historischen Monumenten. Die Nikolaikirche, eine byzantische Kirche mit einem Kreuzgewölbe, ist einer der ältesten rumänischen Kirchen (Bild 2). Ebenso ist das Kloster mit der mächtigen Kirche besonders sehenswert. Der Abend war jedoch frustierend. Unser Kocher streikte aufgrund verstopfter Düse und war nicht in Gang zu bringen. So fütterten wir einen Hund mit bestem Fleisch, während wir Nüsse und Rosinen aßen und dazu warmes Bier tranken. Wir hatten ursprünglich eine andere Idee gehabt, wie wir unsere Batterien für den Pass am nächsten Tag aufladen.


Hinauf zum Pass und Check des Vorderrades (Bild 2)Hinauf zum Pass und Check des Vorderrades (Bild 2)

Hinauf zum Pass und Check des Vorderrades (Bild 2)

  • Der Höhepunkt unserer Reise kam. Unser Freund Florin aus Suceava warnte uns mit den Worten: „Ihr könnt den Transfagarasanpass nicht mit dem Tandem machen. Das ist Selbstmord. !“ Selbstmordgedanken gehegten wir auf keinen Fall. Der Pass ist in einem guten Zustand. Es gab keinen Grund ihn nicht zu fahren, ob auf einem Einzelrad oder Tandem. An einem Stausee, kontrolliert Fritz das Vorderrad, weil es manchmal Knackgeräusche machte ( Bild 2).
  • Während eines schweren Schauers, stellten wir uns unter eine Brücke. Ein anderes Pärchen fuhr jedoch weiter und an uns vorbei. Wenn die das können, dann können wir das auch. Das Panorama oben ist spektakulär. Obwohl es sehr anstrengend ist die Berge mit dem Rad hinaufzufahren, ist der Blick von der Höhe zurück phantastisch. Deshalb lohnt sich die Mühe immer. Jetzt geht es wieder hinunter. Wir geniessen jeden Zentimeter davon und halten immer wieder an, um die Felgen abkühlen zu lassen.


  • Geschafft: Blick zurück auf die Karpaten



    Wild zelten am Fuße der BergeWild zelten am Fuße der Berge

    Wild zelten am Fuße der Berge

    Der romantischste Zeltplatz liegt auf einem kleinen Hügel bei dem Dörfchen Ohaba. Ein Bauer hatte ihn uns empfohlen (Bild 2). In der Mitte einer Gruppe junger Birken schlagen wir unser Zelt auf. Ein weiter, freier Blick zurück auf die Karpaten. Abends treiben die Schäfer ihre Herden zurück in den Stall. Keiner nimmt Notiz von uns und wir sind niemandem im Weg. Die Kirchenglocken läuten im Dörfchen die Melodie des Big Ben. Bizarr. Ein Hirtenhund wartet geduldig den ganzen Abend bis zum Morgen in unserer Nähe, bis wir unsere Sachen gepackt und den Platz verlassen haben, bevor er sich aufmacht etwas zu fressen zu suchen. Aber wir sammeln immer wir alles ein, bevor wir fahren. Pech.


    Transylvania - Kirchenburg in ViscriTransylvania - Kirchenburg in Viscri

    Transylvania - Kirchenburg in Viscri

    Im Westen des Karpatenbogens ist Transsilvanien / Siebenbürgen, die Heimat von Graf Dracula zu finden. Natürlich muss man Burg Bran sehen, wo er seine Greueltaten begangen haben soll. Jedoch sind wir nicht die einzigen. Der Ort ist propevoll mit Touristen und die Warteschlange der Besucher scheint kilometerlang. Dazu werden wir wohl keinen Platz finden, wo wir das Rad solange alleine stehen lassen wollen. Wir entscheiden uns einen Blick aus der Ferne auf die Burg zu werfen und denken daran, dass wir noch einige der Kirchenburgen besichtigen können. Es gibt hunderte davon in Transsilvanien. In Viscri, wo auch Prinz Charles ein Häuschen hat, campieren wir inHoria’s Garten (Bild 2). Die Siebenbürger Sachsen sind sehr reserviert und scheinen nicht scharf darauf Deutsche kennen zulernen. Vielleicht lernen sie zu viele unserer Landleute kennen. Unglücklicherweise war Prinz Charlesnicht gerade hier. Wir hätten gerne mit ihm eine Tasse Tee getrunken.


    Transylvania - Sighisoara & Brasov



    Verhandlungen mit einer Romafamilie

    Verhandlungen mit einer Romafamilie

    Gute 5 Wochen fuhren wir durch Rumänien. Wir haben vergessene Orte gesehen, wo es scheinbar keine Arbeit für irgendjemanden gibt. Wir haben ordentlich restaurierte Städte wie Sighisoara (Schäßburg), Brasov (Kronstadt) und Sibiu (Hermannstadt) in Transsilvanien (Siebenbürgen) besucht und eilten durch häßliche Industriestädte (Galati, Tulcea). Auf unserer Route fanden wir ebenso einfachste Dörfer in denen Leute offensichtlich arm waren, aber nicht unglücklich. Die Romasiedlungen schauten allerdings sehr oft schlecht aus. Die Schönheit des Apusengebirges, der Maramures oder der Karpaten ließen uns den schlechten Straßenzustand vergessen. Wenn man mit dem Rad reist, ist es einfach mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen. Wir zelteten in ihren Gärten, sie ließen uns in ihrem Bad duschen und versorgten uns mit Essen. Die Leute kennen zulernen und die Intensität, mit der man das Land aufgrund der geringeren Geschwindigkeit kennenlernt, sind gute Gründe mit dem Tandem zu fahren.